


Luca Gebert
29.09.2026 · 5 Min. Lesezeit
Wer eine Lernplattform auswählt oder entwickeln lässt, stößt schnell auf Abkürzungen wie SCORM, xAPI oder cmi5. Dahinter stecken Standards, die festlegen, wie Lerninhalte und Lernplattform zusammenarbeiten. Sie entscheiden darüber, ob Ihre vorhandenen Kurse auch in einem neuen System laufen und welche Lerndaten Sie auswerten können. Dieser Artikel erklärt die Standards ohne Fachchinesisch und zeigt, worauf Sie achten sollten.
SCORM steht für Sharable Content Object Reference Model. Der Standard wurde von der US-Initiative Advanced Distributed Learning (ADL) entwickelt und ist seit Anfang der 2000er-Jahre der verbreitetste Standard für E-Learning-Inhalte.
Ein SCORM-Kurs ist ein ZIP-Paket. Darin liegen die Inhalte, zum Beispiel HTML-Seiten, Videos und Tests, sowie eine Beschreibungsdatei namens imsmanifest.xml. Die Lernplattform entpackt das Paket, startet den Kurs im Browser und tauscht über eine festgelegte JavaScript-Schnittstelle Daten mit ihm aus: ob der Kurs abgeschlossen wurde, mit welchem Ergebnis und an welcher Stelle der Lernende aufgehört hat.
Die meisten Autorentools exportieren Kurse als SCORM-Paket. Deshalb liegen in vielen Unternehmen Dutzende oder Hunderte solcher Pakete.
In der Praxis gibt es zwei Versionen. SCORM 1.2 ist die ältere und einfachere Version und wird bis heute am häufigsten genutzt. SCORM 2004 unterscheidet genauer zwischen „abgeschlossen“ und „bestanden“, erlaubt mehr gespeicherte Daten und kann festlegen, in welcher Reihenfolge Lernende die Module bearbeiten. Eine gute Lernplattform sollte beide Versionen abspielen können.
Der SCORM-Player ist der Teil der Lernplattform, der SCORM-Pakete ausführt. Er startet den Kurs, stellt die Schnittstelle bereit und speichert die übermittelten Daten. Wenn Anbieter damit werben, dass ihre Plattform „SCORM-fähig“ ist, bedeutet das im Kern, dass sie einen solchen Player enthält.
SCORM stammt aus einer Zeit, in der E-Learning im Browser am Schreibtisch stattfand. Daraus ergeben sich Einschränkungen:
xAPI, die Experience API, wurde ebenfalls von ADL entwickelt und ist seit 2013 verfügbar. Früher hieß der Standard Tin Can API. xAPI beschreibt Lernerlebnisse als einfache Aussagen nach dem Muster Wer – tat was – womit, zum Beispiel „Anna hat die Sicherheitsunterweisung bestanden“ oder „Tom hat die Maschinensimulation abgeschlossen“.
Diese Aussagen werden in einem Learning Record Store (LRS) gespeichert. Der LRS kann Teil der Lernplattform sein oder ein eigenes System. Der entscheidende Unterschied zu SCORM: Die Aussagen können von überall kommen, aus einer App, einer Simulation, einem Webinar oder einer praktischen Prüfung, auch wenn der Lernende zwischendurch offline war.
cmi5 verbindet beide Welten. Es ist ein Regelwerk auf Basis von xAPI für Kurse, die, wie bei SCORM, aus der Lernplattform heraus gestartet werden. cmi5 legt fest, wie der Start funktioniert und welche Aussagen ein Kurs mindestens senden muss. Damit bekommen Sie die geordnete Kursverwaltung von SCORM und die Flexibilität von xAPI. Viele aktuelle Autorentools bieten cmi5 inzwischen als Exportformat an.
Sie wollen bestehende SCORM-Kurse in eine neue Lernplattform übernehmen oder auf xAPI umsteigen? Im kostenlosen 30-Minuten-Erstgespräch klären wir, welcher Weg für Ihre Inhalte passt.
Kostenloses Erstgespräch buchen| SCORM 1.2 | SCORM 2004 | xAPI | cmi5 | |
|---|---|---|---|---|
| Kurs läuft | im Browser, in der Plattform | im Browser, in der Plattform | überall | aus der Plattform gestartet, auch extern |
| Erfasste Daten | Status, Punktzahl, Zeit | mehr Details, bestanden/abgeschlossen getrennt | beliebige Lernerlebnisse | definierte Mindestdaten plus beliebige Erlebnisse |
| Offline und mobil | kaum | kaum | ja | ja |
| Verbreitung | sehr hoch | hoch | wachsend | wachsend |
| Datenspeicher | Lernplattform | Lernplattform | Learning Record Store | Lernplattform und Learning Record Store |
Nein. Ein Umstieg bedeutet nicht, dass Sie Ihre Kurse neu erstellen müssen. Eine Plattform, die beide Standards beherrscht, spielt vorhandene SCORM-Pakete weiter ab. Neue Kurse können Sie direkt als cmi5 exportieren, sobald Ihr Autorentool das unterstützt. Abschlüsse und Zertifikate aus dem alten System lassen sich beim Wechsel übernehmen, damit keine Nachweise verloren gehen.
Wichtig beim Umstieg: xAPI kann sehr viel aufzeichnen. Erfassen Sie nur, was Sie wirklich auswerten wollen. Warum das auch aus Datenschutzsicht wichtig ist, erklärt unser Artikel DSGVO-konforme Lernplattform.
SCORM ist alt, aber nicht tot. Die meisten vorhandenen E-Learning-Kurse liegen als SCORM-Paket vor, und viele Autorentools exportieren weiterhin standardmäßig SCORM. Für neue Projekte lohnt sich trotzdem eine Plattform, die zusätzlich xAPI und cmi5 beherrscht.
SCORM erfasst, was in einem Kurs im Browser innerhalb der Lernplattform passiert, vor allem Status und Ergebnis. xAPI kann Lernerlebnisse aus beliebigen Quellen erfassen, auch aus Apps, Simulationen oder Präsenztrainings, und speichert sie in einem Learning Record Store.
Nur wenn Sie xAPI nutzen. Viele Lernplattformen bringen einen LRS mit. Ein separater LRS ist sinnvoll, wenn Lerndaten aus mehreren Systemen zusammenlaufen sollen.
Ja. Eine individuell entwickelte Plattform kann einen SCORM-Player für Version 1.2 und 2004 enthalten und zusätzlich xAPI und cmi5 unterstützen. Die Lernplattformen, die wir entwickeln, sind auf diese Standards ausgelegt, und bestehende Kurse und Nutzerdaten übernehmen wir strukturiert. Mehr dazu auf unserer Seite LMS individuell entwickeln lassen.
Welche Anforderungen neben den Standards noch wichtig sind, zeigt unser Leitfaden E-Learning-Plattform für Unternehmen erstellen.