


Eray Özmü
Akt. 28.09.2026 · 3 Min. Lesezeit
Seit dem 28. Juni 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Es verpflichtet viele Unternehmen, ihre digitalen Angebote für Verbraucher barrierefrei zu gestalten, auch Apps. Dieser Artikel erklärt, wen das Gesetz betrifft, was eine barrierefreie App ausmacht und wie Sie vorgehen.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Ob und wie Ihr Angebot betroffen ist, sollten Sie im Einzelfall prüfen lassen.
Das BFSG setzt den European Accessibility Act der EU um. Es gilt für bestimmte Produkte und Dienstleistungen, die sich an Verbraucher richten. Für Apps und Websites sind vor allem relevant:
Ausgenommen sind Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten: weniger als zehn Beschäftigte und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme. Reine B2B-Anwendungen fallen in der Regel nicht unter das Gesetz, profitieren aber trotzdem von barrierefreiem Design.
Als Maßstab gilt die europäische Norm EN 301 549, die für Apps und Websites weitgehend auf den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.1, Stufe AA) aufbaut. In der Praxis heißt das:
Alle Bedienelemente, Bilder und Symbole haben sinnvolle Beschriftungen, damit VoiceOver (iOS) und TalkBack (Android) sie vorlesen können. Die Reihenfolge beim Vorlesen folgt der logischen Struktur der Seite.
Text braucht ausreichend Kontrast zum Hintergrund, bei normaler Schrift mindestens 4,5 zu 1. Informationen dürfen nicht allein über Farbe vermittelt werden, etwa ein Fehler nur durch roten Rahmen.
Die App übernimmt die im System eingestellte Schriftgröße, ohne dass Texte abgeschnitten werden oder Layouts zerbrechen.
Tippflächen sind groß genug, Gesten haben eine einfache Alternative, und Zeitlimits lassen sich verlängern. Formulare erklären Fehler verständlich und zeigen, wie sie sich beheben lassen.
Sie haben ein Projekt im Kopf? Besprechen Sie Ihre Idee mit uns im kostenlosen Erstgespräch.
Kostenloses Erstgespräch buchenVideos haben Untertitel, wichtige Inhalte in Bildern werden auch als Text angeboten.
Neben der technischen Umsetzung verlangt das BFSG Informationen zur Barrierefreiheit: Unternehmen müssen beschreiben, wie ihr Angebot die Anforderungen erfüllt. Die Einhaltung überwachen die Marktüberwachungsbehörden der Länder, bei Verstößen sind Bußgelder möglich.
Barrierefreie Apps sind für alle besser bedienbar: bei Sonnenlicht, mit einer Hand, im Alter oder mit einer vorübergehenden Einschränkung. Die Grundlagen, etwa große Tippflächen, klare Kontraste und skalierbare Schrift, gehören ohnehin zu den Empfehlungen von Apple und Google, siehe auch unseren Artikel zu den Human Interface Guidelines.
Seit dem 28. Juni 2025. Für bestimmte bestehende Produkte und Dienstleistungen gibt es Übergangsfristen.
In der Regel nicht, denn das Gesetz zielt auf Angebote für Verbraucher. Im Zweifel sollte der Einzelfall geprüft werden.
Ja. Meist lassen sich Beschriftungen, Kontraste und Schriftgrößen gezielt nachrüsten. Aufwendiger wird es bei eigenen Bedienelementen, die nicht auf Systemkomponenten aufbauen.
Sie möchten Ihre App barrierefrei machen oder eine neue App von Anfang an barrierefrei entwickeln lassen? Sprechen Sie mit uns über Ihre App-Entwicklung.