


Eray Özmü
Akt. 28.09.2026 · 4 Min. Lesezeit
Ein ungeplanter Maschinenstillstand kostet schnell mehr als die Reparatur selbst: Produktion steht, Liefertermine wackeln, Techniker müssen kurzfristig anreisen. Predictive Maintenance, also vorausschauende Wartung, soll solche Ausfälle vorhersagen, bevor sie passieren. Dieser Artikel erklärt, wie das funktioniert, welche Daten und Technik dafür nötig sind und wie ein realistischer Einstieg aussieht.
| Wartungsart | Prinzip | Nachteil |
|---|---|---|
| Reaktiv | Reparatur nach dem Ausfall | ungeplante Stillstände |
| Vorbeugend | Wartung nach festen Intervallen | Teile werden oft zu früh getauscht |
| Zustandsorientiert | Wartung, wenn Messwerte Grenzwerte überschreiten | reagiert erst, wenn der Verschleiß sichtbar ist |
| Vorausschauend | Vorhersage des Ausfalls aus Datenmustern | braucht Daten, Zeit und Erfahrung |
Die vorausschauende Wartung baut auf der zustandsorientierten auf. Ohne verlässliche Zustandsdaten gibt es keine Vorhersage.
Viele dieser Daten liegen in der Steuerung bereits vor. Oft fehlt nur der Weg, sie auszulesen, zu speichern und auszuwerten.
Der einfachste Ansatz: Ein Messwert wie die Lagertemperatur wird dauerhaft aufgezeichnet. Steigt er langsam über Wochen an, ist das ein Hinweis auf Verschleiß. Schon diese Trendbeobachtung bringt oft einen großen Teil des Nutzens.
Statistische Verfahren oder maschinelles Lernen lernen das normale Verhalten einer Maschine und melden Abweichungen. Der Vorteil: Man muss nicht vorher wissen, wie ein Fehler aussieht.
Die anspruchsvollste Stufe schätzt, wie lange ein Bauteil noch hält. Dafür braucht es viele dokumentierte Ausfälle aus der Vergangenheit, und genau daran scheitern viele Projekte. Gut gewartete Maschinen fallen selten aus, es gibt also wenig Beispiele, aus denen ein Modell lernen kann.
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Kostenloses Erstgespräch buchenEin typischer Aufbau besteht aus vier Ebenen:
Die vierte Ebene wird oft unterschätzt. Eine Vorhersage bringt nur etwas, wenn der richtige Mensch sie rechtzeitig sieht und weiß, was zu tun ist.
So entsteht schon in den ersten Schritten Nutzen, und die Daten für spätere Modelle sammeln sich nebenbei.
Für Maschinenbauer ist nicht nur die eigene Produktion interessant, sondern auch die Maschine beim Kunden. Für Rehm Schweißtechnik haben wir eine App entwickelt, mit der Kunden die Gerätedaten ihrer Schweißgeräte per Bluetooth in Echtzeit auf dem Smartphone sehen, Fehler selbst diagnostizieren und Software-Updates einspielen. Viele Probleme lassen sich so ohne Techniker lösen, die Service-Einsätze gingen um 60 % zurück. Solche Service-Apps sind oft der erste Schritt, um Maschinendaten überhaupt zugänglich zu machen.
Nicht zwingend. Viele Ausfälle kündigen sich über einfache Trends an, die sich mit Grenzwerten erkennen lassen. Maschinelles Lernen lohnt sich, wenn genug Daten vorliegen und die Muster zu komplex für feste Regeln sind.
In vielen Fällen ja, mit zusätzlichen Sensoren und einem Gateway, das die Daten ausliest und weiterleitet, ohne in die bestehende Steuerung einzugreifen.
Ein digitaler Zwilling bildet den Zustand einer Maschine digital ab. Er kann die Grundlage für Vorhersagen sein, ist aber mehr als das. Mehr dazu im Artikel Digitaler Zwilling.
Sie wollen Maschinendaten auslesen, sichtbar machen oder in eine Service-App bringen? Auf unserer Seite zu Apps für Maschinen zeigen wir, welche Steuerungen und Protokolle wir anbinden.